helmut-w-schumacher
Mundartautor

Ein Fahrradausflug auf Lanzarote

Ein Fahrradausflug auf Lanzarote

Es waren wunderschöne Fahrradtouren mit Mountainbikes, die meine Frau und ich mit Freunden vor Jahren wiederholt in den Ferien auf Lanzarote mitmachten. Es ging dann für ca. 10 Personen an den Füßen der Vulkanberge Lanzarotes entlang, mal ein wenig bergauf, mal ein wenig bergab, meist aber auf geraden, asphaltierten Straßen.
 
Um nicht aus der Übung meiner wöchentlich 100 km mit meinem Trackingrad am platten Rand von Köln zu kommen, buchte ich also Ende November 2012 eine Mountainbiketour von ca. 40 km bei Bernd, dem deutschen Tourenleiter. Mit ihm sollten wir am Morgen zu sechst sein, aber einer hatte morgens plötzlich "Rücken". Der Glückliche!, ich sollte ihn noch darum beneiden! Bernd fuhr uns per Kleinbus mit den Rädern an den Rand der Berge zu einer Stelle, die ich noch von früher kannte.
 
Dann ging's los; zunächst aber nicht für mich, denn ich kam gar nicht erst weg. Dafür waren die anderen Vier mir schon weggefahren. Es begann nämlich damit, dass sich ein roter Schnürsenkel von meinen weiß-roten Turnschuhen (Kölle rut-wieß) im Kettenblatt verhedderte. Dann fand ich den Gang fürs kleinste Kettenblatt nicht, denn es ging von vorne herein nur bergan. Und wie! Außerdem funktionierte der kleinste Gang am Ritzelpaket nicht. Ich hatte also keine 30, sondern nur 27 Gänge. Nun ja. Nach einem km hatte ich die anderen "eingeholt", denn sie hatten auf mich gewartet und mich schon vermisst, ich wusste aber mein Zurückbleiben noch zu erklären.
 
Am Ende des 2. km hing ich schon wieder einen km zurück, und Bernd, der deutsche Leiter vom Fahrradverleih, wunderte sich über mich, hatte dann aber gleich die Vermutung, dass ich nicht gerade ein Mountainbiker wäre. Stimmt! Die anderen Drei, ein Schweizer (Berge an Mass!) und ein Pärchen aus den Bergen bei München (!) waren es aber. Bernd bot mir an, alleine mit Straßenkarte zurückzufahren. Meine innere Stimme, Abteilung Ehrgeiz, raunte mir aber zu: "Fahr weiter!" Also lehnte ich ab, was ich noch bereuen sollte.
 
Es ging also weiter, immer nur bergan, ca. 5 bis 10 Prozent Steigung und das bei Gegenwind im Zentralgebirge von Lanzarote. Stetiger Wind auch am Strand von L. ist normal, Windstärke 1 bis 5. Aber da oben!, und das auch noch durch dicken Vulkan-Sand! Irgendwann dämmerte mir dann, dass sie die Mountainbiketour wohl geändert haben müssen. Bernd bestätigte mir: "Spazieren fahren tun wir schon lange nicht mehr!" Ach ja?! Die Drei und Bernd, das waren also echte
M.-Cracks! Und ich armes Würstchen radelte schon nach 5 km auf'm Zahnfleisch. Und wir waren noch längst nicht oben; daher wurde der Wind  auch immer stärker. Bernd rechnete damit, dass ich aufgab. Ich hab ihm aber was gehustet!

 
Irgendwo gab's ein besonderes "Technikel", also etwas, was ich vielleicht dann doch nicht geschafft hätte. Ich wartete dann an einem Punkt, an dem es besonders zog und an dem ich mich gegen den Wind stemmen musste. Der war dann in Böen zeitweise so stark, dass er mein auf dem Weg liegendes Bike fast einen halben m verschob! Stärke 7 bis 8? Die anderen Vier kamen dann nach und nach wieder bei mir an. Das war's aber noch nicht. Es ging weiter, alle 2 bis 3 km warteten die Vier auf mich. Ab und zu ging's auch mal bergab und ausgerechnet dann gab's Rückenwind.
 
Nach 25 km gab's endlich Pause mit Mittagessen, wobei es in das Bergdorf natürlich auch wieder bergauf ging.
 
Anschließend ging's mal rauf und mal runter, und irgendwo zeigte Bernd eine Festung noch weit weg und ganz oben: "Da will mich mit Euch rauf!" Geglaubt habe ich das zunächst nicht, leider wurde es aber wahr! Es war am Ende so steil, dass ich als Letzter zuerst abstieg und den Drahtesel schob, dann das Mädchen, dann ihr Freund, dann der Schweizer, dann selbst Bernd. Auch diese Cracks mussten dann also doch mal verschnaufen. Meine Zunge hing aber bereits in Kniehöhe, so dass ich am Liebsten da sitzen geblieben wäre. Ging natürlich nicht, dafür ging's irgendwann bergab, mit Rückenwind. Aber dabei durch ca. 10 cm dicken Vulkansand! Ich bin aber weder
hingeflogen, noch habe ich mich überschlagen, worüber ich mich
heute noch wundere!

 
Am Büschen wieder angekommen hat Bernd mir gratuliert und gemeint, er hätte nicht damit gerechnet, dass ich als Untrainierter "das" durchhalten würde. (Da schwoll meine Brust!) Bernd setzte mich vorm Hotel ab. Vielleicht dachte er, ich würde sonst unterwegs umkippen. Das bin ich dann im Hotelzimmer; ich war aber so platt, dass ich noch nicht mal einschlafen konnte. Diesen Tag werde ich im Leben nicht vergessen, denn er zeigte mir meine sportlichen Grenzen auf.